Die Rote Königin

Titel: Die Rote Königin

Autor: Victoria Aveyard

Verlag:  Carlsen

Meine Berwertung: 4 von 5 Punkten

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, weil mir das Cover besser gefallen hat. Außerdem finde ich die Erzählperspektive (1.Person, Präsens) auf Englisch viel angenehmer zu lesen als auf Deutsch.

 

Klappentext:

Rot oder Silber – Mares Welt wird von der Farbe des Blutes bestimmt. Sie selbst gehört zu den niederen Roten, deren Aufgabe es ist, der Silber-Elite zu dienen. Denn die – und nur die – besitzt übernatürliche Kräfte. Doch als Mare bei ihrer Arbeit in der Sommerresidenz des Königs in Gefahr gerät, geschieht das Unfassbare: Sie, eine Rote, rettet sich mit Hilfe besonderer Fähigkeiten! Um Aufruhr zu vermeiden, wird sie als verschollen geglaubte Silber-Adlige ausgegeben und mit dem jüngsten Prinzen verlobt. Dabei ist es dessen Bruder, der Thronfolger, der Mares Gefühle durcheinander bringt. Doch von jetzt an gelten die Regeln des Hofes, Mare darf sich keine Fehler erlauben. Trotzdem nutzt sie ihre Position, um die aufkeimende Rote Rebellion zu unterstützen. Sie riskiert dabei ihr Leben – und ihr Herz …

 

Meine Meinung:

Zuerst zu den Charakteren:

Mare hat mich sehr an Puck Conolly aus "Rot wie das Meer" erinnert, da sie recht abgebrüht wirkt und weiß, was ein hartes Leben ist. Außerdem verbringt Mare ihre Zeit damit, andere zu bestehlen und sie ist mit drei Brüdern aufgewachsen - somit kann man sich ihren Charakter ganz gut vorstellen. Endlich mal keine nervtötende und schwache weibliche Hauptfigur!

Leider ist mir Mare im Laufe der Geschichte etwas zu blass geblieben. Sie tut eigentlich genau das, was ein Leser von ihr erwarten würde.

Ich freue mich immer, wenn die Charaktere den Leser überraschen können, seien es noch so kleine Dinge wie ein Nervenzusammenbruch Nachts allein im Zimmer oder eine Seite voll mit Gedankengängen und Misstrauen gegenüber den anderen Personen. Mare war mir (allein inmitten der Silbernen irgendwie nicht misstrauisch genug und hat viele Handlungen gar nicht hinterfragt. Aber dazu später mehr). Gerade als das große Ereignis näher gerückt ist, erfährt man fast gar nichts mehr über Mares Gefühlswelt, außer, dass sie besorgt ist und dass die Zeit verfliegt. Welche Sorgen macht sie sich genau? Ihr ist schon so viel Schlimmes passiert, warum reagiert ihr Körper nicht darauf, warum flippt sie nicht mal ein bisschen aus? Aber von den niedermachenden Mittagessen mit den Silbernen erfährt man immer nur in einer zeitlichen Zusammenfassung, nie ist man hautnah dabei, wie Mare mit den verhassten anderen am Tisch sitzen muss. Schade.

Maven und Cal (Die Prinzen) haben beide ihre Vor- und Nachteile, werden als Charaktere aber nicht zu ausführlich behandelt, sondern immer genau so viel, wie gerade muss. Ungefähr ab der Hälfte hatte ich zu beiden keine Sympathie mehr, aber das war auch okay so.

Einen riesigen Pluspunkt bekommt dieses Buch dafür, dass endlich mal keine unnachvollziehbare Lovestoerie eingebaut wurde!!! :)
Der Klappentext lässt ja auf so etwas schließen, aber keine Sorge, kein Liebesgedöns versperrt einem die Sicht auf die Story.

Ja, die Story:
Mare ist ja eine Rote unter den Silbernen und muss ununterbrochen darauf achten, nicht aufzufliegen - und nachdem sie sich den Rebellen anschließt wird ihre Lage noch verzwickter.

Durch diese Faktoren wird eine schöne Grundspannung auferhalten, die eigentlich immer gegenwärtig ist. Allerdings gibt es auch nicht viel mehr zu berichten.

Ab und zu gab es Trainingseinheiten unter den Silbernen, wo sie sich gegenseitig mit ihren Fähigkeiten bekämpft haben oder geübt haben - Die Trainingseinheiten haben mich leider vollkommen kaltgelassen, da ich diese Action nicht spannend oder interessant fand. Wofür trainieren die Silbernen denn überhaupt? Anscheinend nur zum Angeben und das hat keinen Reiz für mich.

Während ich immer weiter in das Buch und die Geschichte eingesunken bin und um Mares Existenz gebangt habe, sind mir immer wieder Schwächen in manchen Taten oder Handlungen diverser Charaktere aufgefallen. Negativ aufgefallen. Oft habe ich mich gefragt: Wieso ist das jetzt passiert, was wäre wenn...? Oder: Oh nein, aber was ist, wenn dies und jenes...

Und irgendwie erschien mir alles nicht so richtig tiefsinnig geplant von der Autorin.

ABER wer sich während der Geschichte andauernd Fragen stellt und alles sehr skeptisch betrachtet und manche Einzelheiten unplausibel findet, der bekommt ein äußerst befriedigendes Ende serviert! Das Ende (oder das Finale vor dem eigentlichen Ende) fand ich wirklich gut gedacht und es kam schön überraschend.

Weitere Schwächen waren außerdem die gesamte Welt an sich, da es kaum Erklärungen dazu gab: Warum gibt es überhaupt zwei verschiedene Bluarten? Woher kommen sie und wie ist das alles entstanden? Wie ist die gesamte Welt aufgebaut etc? Vielleicht erfährt man das ja in der Fortsetzung, wenn Mare selbst eventuell etwas mehr Wissen erhält.

Fazit: Ich fand Das Gesamtpaket gut, aber gleichzeitig ist es auch etwas schade, dass die Geschichte so oft diese kleinen Schwächen hatte. Aber das Ende hat alles gerettet und ich würde schon gerne wissen wie es weitergeht.

Ich bin eigentlich überhaupt kein Fan von diesen Rebellions-Büchern, aber diese Geschichte hat mich nicht enttäuscht! Deswegen gibt es trotz der kleinen Schwächen noch knapp 4 von 5 Punkten.

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