Rezension: London (Die uralte Metropole 5)

Dies war das erste Buch, das ich aus der "uralte Metropole"-Reihe gelesen habe.

Wenn dich die Vorgänger interessieren, dann klick die Bilder an, um zu den Rezensionen zu gelangen.


Titel: London - ein Uralte-Metropole-Roman 

Autor: Christoph Marzi

Verlag: Heyne

Meine Bewertung: 4,5 von 5 Punkte

 

 

 

 

 

Werbung fürs Lesen. Rezensionsexemplar

Inhalt:

Schwere Schneeflocken tanzen in der Dämmerung, als Emily Laing das erste Mal London nicht mehr findet. Doch wie kann das sein? Eine ganze Stadt verschwindet doch nicht einfach so. Mitsamt all ihren Schornsteinen, Bewohnern und Geheimnissen. Hat das vielleicht etwas mit den beiden seltsamen alten Damen zu tun, die Emily entführen? Oder hängt es mit dem Waisenmädchen zusammen, das plötzlich auf den Stufen einer U-Bahn-Rolltreppe auftaucht? Noch einmal müssen Emily und ihre Gefährten, der Alchemist Wittgenstein, Maurice Micklewhite und die kluge Ratte Minna, in die Tiefen der Uralten Metropole hinabsteigen. Denn hier, in der magischen Stadt unter der Stadt, liegt die Antwort. Und die Gefahr …


Meine Meinung:

Vor ein paar Jahren habe ich "Heaven" von Christoph Marzi gelesen und mich vollkommen in die Erzählweise dieses Autors verliebt.

Als ich nun das Cover von "London" erblickte, habe ich vor lauter Vorfreude überlesen, dass es ein Zusatzband zur Lycidas-Reihe ist.

Diese Reihe habe ich leider immer noch nicht gelesen, da ich vorher erst einmal "Neverwhere"/Niemandsland von  Neil Gaimam kennen wollte, da viele sagen, Lycidas wäre "nur" eine Kopie davon.

Jedoch bin ich der Meinung, dass jemand, der London und damit Marry Poppins, Doctor Who und Neil Gaiman als Inspiration sieht, genug eigene Fantasie hat, um eine grandiose Fantasy-Reihe zu schreiben.

Aber von alledem abgesehen:

"London" kann man auch super lesen, ohne die Vorgänger zu kennen!

(Ich will jetzt trotzdem unbedingt alle anderen Teile lesen, weil ich dieses Buch so toll fand.)

 

Zuerst muss ich noch einmal diesen wirklich tollen Schreibstil loben.  Marzi schreibt so poetisch und dennoch gibt es nicht zu viel Geschwafel, sondern sehr lebendige Sätze - ich mag diesen Schreibstil so gerne!

Das Buch ist gefüllt mit tollen Ideen und sehr viel Fantasie. Ab und zu wurde es ein wenig grausam, aber der Leser wurde nicht mit Absicht verschreckt.

Mein größter Kritikpunkt ist, dass Marzi sich nicht gut kurzfassen kann, was dazu führt, dass nicht viel Tempo in der Geschichte steckt und ein Leser mit geringer Aufmerksamkeitsspanne es vielleicht sogar abbrechen würde.

Ich habe den Druck auf die Charaktere vermisst, den es bei guten Abenteuergeschichten meistens gibt. Gegen Ende hin wurde "London" aber eher entschleunigt als Geschwindigkeit aufzunehmen. Vielleicht kam mir das aber auch nur so vor, denn ich habe es nur geschafft, jeden Tag 100 Seiten zu lesen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist außerdem, dass sich Marzi sehr stark von anderen Werken inspirieren lässt - in diesem Buch von ihm habe ich mal wieder eine Parallele zur BBC-Serie "Doctor Who" gefunden, wo "Die Stille" als Feind ebenfalls auftaucht! Ich kann mich einfach nicht entscheiden, ob ich diesen Gegner im Buch jetzt toll oder furchtbar finden soll, wo er doch offensichtlich mehr schlecht als recht von der Serie inspiriert ist.

(Weitere Kritikpunkte zum Gegner würden jetzt die Geschichte spoilern, deswegen halte ich mich da zurück).

Jetzt aber zum Positiven (und das überwiegt)!

Der Klappentext bereitet den Leser leider überhaupt nicht auf diese grandiose Geschichte vor! Die Hauptperson Emily wird ganz unfreiwillig in ein Abenteuer verwickelt, für eine Entführung verantwortlich gemacht und danach beinahe von einem mordenden Werwolf erwischt - auf der Suche nach Antworten (und dem entführten Kind) begegnet sie einem neuen Charakter, dem die Welt und das Abenteuer so fremd sind wie dem Leser. Dank Jeeva Smith fühlt man sich als Leser nicht mehr allein beim Staunen und Gruseln in dieser wunderbar erschaffenen Welt.

Und Emily als Hauptperson... Emily hilft Kindern und betreut sie, wenn es ihnen nicht gut geht (frei zitiert nach S. 277). Dieses Buch hilft einem auch wunderbar, den Alltag zu vergessen - nicht nur Kindern, auch Jung und Alt.

Natürlich ist der Schreibstil nichts für jeden, das muss man ganz klar sagen - es ist anders als der gängige Bestseller und anders als ein gängiges Jugendbuch, aber ich liebe diesen Schreibstil wie gesagt sehr.

Man wird in "London" auf eine Reise mitgenommen, begegnet einigen wunderbaren und einigen grausamen Charakteren und lernt eine wunderbare Welt kennen - oder kehrt in diese zurück.

Am Anfang fand ich alles toll, dann hatte ich in der Mitte das Gefühl, der Autor hätte sich ein wenig verzettelt und es hat sich alles ein wenig gezogen und danach kam das Ende, mit dem es viel zu plötzlich vorbei war. Aber ich habe die Lesestunden allesamt genossen.

Ich habe jetzt noch offene Fragen und das macht mich wahnsinnig. Aber vielleicht wird das auch irgendwie durch die Vorgänger geklärt - oder bald kommt noch eine Fortsetzung, wer weiß.

Jedem Urban-Fantasy-Liebhaber kann ich dieses Buch (oder am besten die ganze Reihe) sehr ans Herz legen!

 

Vielen Dank an den Heyne-Verlag für das Rezensionsexemplar!