Rezension: Mein Mann, seine Frauen und ich

Titel: Mein Mann, seine Frauen und ich

Autor: Hera Lind

Verlag: Diana

Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten

Klappentext:

Nach ihrer Scheidung genießt Nadia Schäfer die Unabhängigkeit. So lernt sie Karim kennen, einen gläubigen und gebildeten Moslem. Sie lässt sich auf ihn ein, heiratet ihn sogar, weil der Islam Liebe ohne Trauschein verbietet. Dass Karim bereits Frau und Kinder hat und die Ehe fortbesteht, nimmt sie in Kauf, denn er trägt Nadia auf Händen. Sie ziehen in den Oman, wo Nadia nur tief verschleiert aus dem Haus gehen darf. Sie tut es für Karim – ein fürsorglicher Ehemann, der sich auch noch um seine erste Frau kümmert. Bis er eines Tages Ehefrau Nummer drei mit nach Hause bringt …


Meine Meinung:

Eine Geschichtemit Höhen und Tiefen wie bei einer Achterbahnfahrt, die kurz vorm Ziel für etwas zu viel Übelkeit sorgt.

Zuerst einmal bin ich sehr enttäuscht, dass sowohl Titel, als auch Klappentext bereits dieses Ereignis mit der dritten Frau vorwegnehmen. Hätte ich nicht den gesamten Roman über darauf gewartet, hätte mich dieser Höhepunkt wohl besser erwischt - aber so wusste ich ja schon genau, was in etwa auf mich zukommt.

Mit so einer Hauptperson hätte ich allerdings nicht gerechnet.

Nadia mag das Orientalische. Das wird am Anfang sehr oft erwähnt. Aber so muss es ja auch sein, denn einer Protagonistin mit auch nur einem Hauch von Vorurteilen oder einer Einstellung die nicht vollkommen weltoffen und begeistert ist, würde man wohl nicht abnehmen, dass sie sich auf den ersten Blick in einen fremden Ausländer verliebt.

Nadia liebt die arabische Kultur. Das Essen, die Mentalität... dennoch wirkt sie manchmal extrem schlecht informiert!

Aber dazu später mehr. Karim ist nämlich die zweite wichtige Figur in dieser Geschichte.

Nadia beschreibt Karim als sehr attraktiv, gepflegt und höflich - ihr Traumtyp; Liebe auf den ersten Blick.

Gleichzeitig kommt einem das ganze schon etwas seltsam vor, dieses sofortige Vertrauen... und dann auf Seite 13, obwohl sich doch gerade erst begrüßt wurde dieser Satz, der mich verwundert hat: "Es war nichts geschehen, dennoch fühlte ich mich jetzt schon unter Druck. Ich wollte doch meine Freiheit!"

Auf einmal springt einem dieser Widerspruch ins Auge! Dabei hat Nadia doch noch gar ncht gedanklich mit ihm Babys gezeugt, nein, sie hat ihn bloß zu sich eingeladen - Moment, nein,  er hat sich bei ihr eingeladen...

Und so geht es das Buch über weiter, immer diese Widersprüche, die da plötzlich gestreut werden, fast wie nachträglich eingefügt. Ich finde es einfach unpassend, zumal man Nadias Gedankengänge so nur schwer nachvollziehen kann.

Nadia macht zwischen den Zeilen den Eindruck einer nach Bestätigung und Anerkennung suchenden Frau .. und da ihr Karim das gibt, scheint ihr schnelles Vertrauen kein Wunder.

Karim ist ein sehr direkter Mensch, nach dem ersten Essen bittet er sofort um Heirat. (Tatsache!)

Logischerweise sträubt Nadia sich. Aber dann. Dann sagt sie zu, weil man im Islam ja für Sex verheiratet sein muss! Gnaah. Von einer bereits geschiedenen Frau hätte ich erwartet, dass.. naja, mehr eben. Aber gut, die Story wird dadurch ja erst so richtig interessant.

Nadias Liebe und Faszination wächst, ihre Freiheit schrumpft.

Sie nimmt das alles lächelnd in Kauf - mit einer kindlichen Faszination, die bei einer reifen Frau vollkommen fehl am Platz wirkt! Ich halte es echt für ein Wunder, wie man sich so für eine Kultur interessieren kann und gleichzeitig derart naiv und uninformiert bleibt - und nicht einmal versucht, Fehler zu vermeiden. 

Seltsam fand ich, dass Nadia, die in der Modebranche gearbeitet hat, plötzlich alle ihre Kleidung hinter sich lässt und sie mit ein paar Worten ihren Freundinnen schenkt. Selbst ich Modemuffel hätte vielleicht noch drei, vier Tshirts, die mir etwas bedeuten? Nadia wirkt in solchen Momenten leider zu unecht, ihr fehlt jegliche Selbstreflexion. Auch nach Besuchen bei der Mutter und Tochter erwarte ich wenigstens ein wenig Gefühl, greifbare Gedankengänge, die dem Leser deutlich machen, wie Nadia sich fühlt mit diesem Spagat zwischen ihren Familien.

Die erwachsene Tochter wirkt auf mich sehr konstruiert, sie verhält sich zu naiv für eine "erwachsene Tochter" und vor allem ihre Sprache ist einfach viel zu übertrieben jugendlich und hat mich sehr gestört.

Nadia verändert sich nach dem Umzug in den Oman in eine noch naivere Frau, alle Neuheiten nimmt sie mit einem kindlichen Staunen auf. Eine wirklich seltsame Entwicklung, die ich nicht nachvollziehen kann.

Ab der Hälfte der Geschichte wirkte alles allmählich zu oberflächlich auf mich.

Je länger sich die Geschichte ausbreitet, desto stärker wirken die Charaktere wie viel zu theatralische Schauspieler!

Nach dem (auf dem Klappentext bereits verratenen) Wendepunkt der Geschichte hatte ich wirklich keine Geduld mehr.

Ach, was sage ich da... ICH HATTE MORDGEDANKEN! Blutige, brutale Mordgedanken! Dieses Hin- und Her, diese ständige, sich wiederholende Diskussion ging mir so sehr auf die Nerven!!!

Ich habe wirklich den größten Respekt vor der Autorin, denn ich hätte wohl auf den letzten 100 Seiten nichts mehr schreiben können, weil ich längst vor lauter Wut die Tastatur zerstört hätte!

Allgemein hat mir der Schreibstil gut gefallen, er ist zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig, jedoch werden wirklich viele, perfekt passende Adjektive verwendet und genau der richtige Wert auf die Beschreibung der Umgebung gelegt, sodass man das Setting beim Lesen wirklich genießen kann.

Leider konnte ich die Geschichte wegen der unglaublich theatralischen Charaktere nicht genießen. 

 

Vielen Dank an den Diana Verlag für das Rezensionsexemplar! :)