Rezension: Nicht weg und nicht da

Titel: Nicht weg und nicht da

Autor: Anne Freytag

Verlag: Heyne fliegt

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten

 

Werbung fürs Lesen. Rezensionsexemplar

Klappentext:

Nach dem Tod ihres Bruders macht Luise einen radikalen Schnitt: Sie trennt sich von ihrem mausgrauen Ich und ihren Haaren. Übrig bleiben drei Millimeter und eine Mauer, hinter die niemand zu blicken vermag. Als Jacob und sie sich begegnen, ist er sofort fasziniert von ihr. Doch Luise hält Abstand. Bis sie an ihrem sechzehnten Geburtstag aus heiterem Himmel eine E-Mail von ihrem toten Bruder bekommt – es ist die erste von vielen. Mit diesen Nachrichten aus der Zwischenwelt und dem verschlossenen Jacob an ihrer Seite gelingt es Luise, inmitten dieser so aufwühlenden wie traurigen Zeit das Glitzern ihres Lebens zu entdecken ...

Meine Meinung: 

Ich liebe den Schreibstil.

 

"Ihre Augen schimmern schwarz und tief. Wie nasse Kohle. Oder Schieferplatten. Sie kam mir noch nie so klein vor wie in diesem Moment. So zerbrechlich und allein. Sie sieht mich an, ich sage nichts, breite nur die Arme aus. Tränen laufen über ihr Gesicht, leise, fast heimlich. Eine nach der anderen. Wie durchsichtiges Blut auf einer verletzten Seele. Luise macht einen Schritt auf mich zu, und dann halte ich sie. Zwischen Tür und Angel. Sie draußen, ich drinnen."

 

Die Autorin hat so eine tolle Art zu schreiben, Gefühle zu vermitteln und Charaktere zu zeichnen, dass ich davon allein schon komplett begeistert bin!

Dazu diese wirklich berührende Thematik und obendrauf auch noch zwei Charaktere, die einem wirklich nahe gehen und aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird - ich lese wirklich selten die ersten 100 Seiten eines Buches an einem Stück, ohne auch nur eine kleine Pause zu machen. Aber hier musste ich immer weiterlesen, selbst wenn die Augen manchmal feucht geworden sind...

Jacob begegnet Luise nach einer ihrer Therapiestunden und findet sie trotz oder gerade wegen ihres rasierten Kopfes sofort wunderschön und interessant.

Es ist einfach nur toll und berührend zu lesen, wie sie sich begegnen, immer näher kommen und weiter Vertrauen zueinander aufbauen. Jacob hat eine schwere Vergangenheit, die aber nicht im Vordergrund steht und die auch nur einmal wirklich thematisiert wird - wichtig ist sein beschützendes Wesen, die Liebe zum Kochen und seine Fürsorge für Luise.

Luise macht in diesem Buch eine schwere Zeit durch, wohl die schwerste in einem Menschenleben - Abschiednehmen von einer geliebten Person. Mit ihrem Therapeuten will sie nicht reden, sie und ihre Mutter gehen sich fast vollkommen aus dem Weg.

Dann trifft sie auf Jacob und findet einen Anker in dieser schweren Zeit. Luise wirkt stark und zerbrechlich zugleich, jeden ihrer Gedanken kann man nachvollziehen und mitfühlen. Von ihrer Entwicklung und den Fortschritten zu lesen, lässt einen wirklich alle Emotionen fühlen.

Die Mails von dem verstorbenen Bruder können einen schon mal zum Weinen bringen, sind aber ganz wunderbar geschrieben.

Um Taschentücher zu sparen, empfehle ich es, keine berührende Musik nebenbei zu hören. Wenn doch, dann hat die Autorin die passende Playlist auf der letzten Seite hinzugefügt :)

Dieser Schreibstil und die Wortwahl trifft einen mit jedem Satz mitten ins Herz und die Charaktere haben dort auch schnell ihren Platz gefunden.

Definitiv eine riesige Empfehlung!

 

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar! :)