3 Gründe, weshalb ich Instagram verlassen werde

Seit Januar 2016 beschäftige ich mich in meiner Freizeit mit dieser Instagram App. Ich mache dafür Fotos von Büchern, ich schreibe meine Meinung zur guten und schlechten Büchern auf und versuche damit zu informieren und mehr Follower, mehr Likes und mehr Kommentare zu erhalten.

Ich bin ein typischer Social-Media-Nutzer, der Aufmerksamkeit und Anerkennung für jeden Scheiß haben will.

Aber mein Account wächst seit einem Jahr nicht mehr, ich werde nicht mehr von der Freude an der Sache angetrieben und habe auch bemerkt, wie abhängig ich von einer einfachen App geworden bin.

Allerdings gibt es noch gute Gründe, dabei zu bleiben: Ich habe durch Instagram Kontakt zu Menschen aufgenommen, die ich sonst nie persönlich kennen gelernt hätte. Ich bin Neugierig, was diese Leute tun und lesen und will deswegen immer up to date sein. Meine Follower lesen gerne meine Meinung zu Büchern und tauschen sich mit mir aus - umgekehrt gilt dasselbe auch für mich. 

Trotzdem weiß ich, dass ich bald nicht mehr auf der App aktiv sein werde - und das hier sind die Gründe:

 

 

 

1. Zeit. Zeit ist kostbar und nicht sinnvoll genutzt, wenn man sie in der falschen Realität verbirgt. Wenn ich lese, unterbreche ich mich selbst mitten im Kapitel, um ein Foto vom Buch hochzuladen und anderen mitzuteilen, wie toll es ist - anstatt einfach weiterzulesen. Und dann lese ich nicht weiter, denn zehn andere haben ja in der Zwischenzeit, seit ich das Buch aufgeschlagen habe, auch Sachen unternommen und geteilt! Die müssen natürlich sofort analysiert und kommentiert werden. Und schwupps ist es Mitternacht, ich habe fünfzehn süße Tiervideos gesehen und drei Memes geteilt und ... klappe das tolle Buch mitten im Kapitel zu, weil ich das total vergessen habe im Aufmerksamkeits-Dschungel. Ich lege mich schlafen und irgendwo lacht einer von Momos grauen Herren, zieht an seiner Zigarre und freut sich, dass mal wieder Zeit geraubt wurde.

 

2. Laune. Das Internet zeigt einem nie die Wahrheit und man selbst zeigt sie nie dem Internet. Die fröhlichsten Texte schreibe ich z.B. an meinen schwersten Tagen - in der Hoffnung, dass mir die falsche Realität etwas Freude bringen kann. Aber das funktioniert so nicht  - soziale Medien profitieren von traurigen Nutzern. Wenn ich traurig bin, starre ich ständig aufs Handy, bin auf der Explore-Seite von Instagram unterwegs und hoffe auf schöne Bilder, damit ich sehe, dass es gutes und schönes auf der Welt gibt - in der naiven Hoffnung, davon aufgemuntert zu werden. Aber die abgemagerte, dunkelbraun gebrannte Tante auf Bali auf dem nachbearbeiteten Bild macht mich nicht glücklich! Ihr perfekter Feed, das strahlende Lächeln auf jedem Bild und das anscheinend perfekte Leben motivieren mich nicht, mal von der Couch aufzustehen und weniger Pizza zu essen. Eher andersrum. Diese ganzen supertoll inszenierten Bilder, die großartig inszenierten Leben und Lebensinhalte, von denen man auf Instagram bis zum Erbrechen gefüllt wird - das sind nur die besten Ausschnitte. Und die bringen einem Follower gar nichts, der sich selbst gerade in einem weniger guten Abschnitt seines Lebens befindet. Eigentlich bringt sowas niemanden etwas. Außer Einnahmen für den Betreiber. Weil der Detox-ZauberTee auf Bali ja natürlich immer zur Stelle ist, um neben einem künstlich aufgespritzten Hintern präsentiert zu werden (wieso ist es eigentlich bei normalen Bürgern so beliebt geworden, das Hinterteil in jede Kamera zu halten?!)

 

 

3. Zahlen. Was bringt es einem zu sehen, wie viele Follower jemand anders hat und wie viele Likes jemand anders hat?

Würde ich diese Zahlen nicht sehen, würde ich mich selbst nicht mit anderen so vergleichen, wie ich es im Moment tue. Ich würde mich selbst nicht herabstufen, weil jemand anders zehntausend Follower mehr hat. Ich würde gar nicht bemerken, dass meine Followeranzahl nicht mehr wächst und dementsprechend wäre mir das egal, kein Grund enttäuscht zu sein. Ich würde nicht über einen anderen Account lästern, weil ich die hohe Anzahl an Likes lächerlich und unverdient finde. 

Stattdessen würde ich mir, um Vergleichen zu können, den Content des Accounts ganz alleine bewerten und mich damit auseinander setzen, was mir an den Bildern und Texten gefällt und was nicht.

Aber die vorhandenen Likes bei anderen haben doch keinen Einfluss darauf, ob es einem selbst auch gefällt?

Vielleicht nicht, aber sie beeinflussen, wie du deinen eigenen Content findest und wie du das, was du erschaffst bewertest.

Und das stört mich, weil wir es nicht nötig haben. Wir teilen ein Hobby, eine Leidenschaft und jeder hat für seine Fotos gleich viel Anerkennung verdient.

Ich schaue kaum noch auf die Bilder, ich schaue mir die Reaktionen darunter an. Und das stört mich.

Studien haben ja schon erwiesen, was ein Like für Auswirkungen auf einen hat - es ist furchtbar, was Instagram alles mit unseren Emotionen und unserem Gehirn anstellt. Es reicht nicht, dass alle Reize von so vielen Eindrücken überflutet werden, nein, es muss auch noch dafür sorgen, dass wir uns selbst wegen vollkommen unverhältnismäßigen Zahlen herab stufen und womöglich noch versuchen, durch viel Druck etwas ähnliches zu erreichen. 

 

 

Leider macht es mir immer noch Spaß, Fotos zu machen und mir zu überlegen, wie ich Rezensionen am besten formuliere. Ich nutze Instagram gerne, um andere Leser über Bücher zu informieren. Es gibt keine Alternative, die sich lohnen würde - bei Instagram sind alle und deswegen will man bei Instagram bleiben. Aber bald bin ich nicht mehr dabei, bald findet ihr mich nur noch hier.

Denn wer will schon freiwillig Zeit verschwenden und unglücklich sein?

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Kommentare: 2
  • #1

    Marie (Montag, 18 Juni 2018 15:25)

    Ohja.. das ist leider die traurige Wahrheit. Es ist alles nur noch demotivierend und zeitaufwendig. Gebe dir da voll recht. Doch wie du schon meintest: man möchte doch irgendwie nicht aufhören mit Bookstagram. Ein ewiger Teufelskreis.
    Lg Marie

  • #2

    Marie (Montag, 18 Juni 2018 17:33)

    Hallo Caro,
    ich hatte durch den enormen Umschwung in meinem Leben eine einmonatige Lese- und Instagrampause. Und ich habe all die Dinge getan auf die ich sonst keine Lust mehr hatte. Auf Events gehen, mit vielen Menschen unterwegs sein, Baden gehen und ins Kino gehen,...einfach sozial sein. Und normalerweise hasse ich es sozial zu sein...aber so richtig. Und weißt Du was? Ich habe mich soooo frei gefühlt. Das war unglaublich. Ich habe immer mal reingeschaut, ja....und gesehen, ach, schon wieder 100 Follower weniger. Und wenn ich mich am Anfang noch sehr geärgert habe, war es mir Woche für Woche mehr egal. Das Lesen habe ich ein wenig vermisst, ja. Aber so doof es klingt, ich habe wieder die richtige Welt kennengelernt. Ich werde auf Insta bleiben, aber alles seeehr weit zurückschrauben.
    Viele liebe Grüße, Marie (und da oberhalb von mir noch eine Marie ist,...ich bin ‚mariesbookishworld‘)