Rezension: Elian & Lira - das wilde Herz der See

Titel: Elian und Lyra, Das wilde Herz der See

Autor: Alexandra Christo

Verlag: dtv

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

 

 

 

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Klappentext:

Lira ist die Tochter der Meereskönigin. Jahr für Jahr ist sie dazu verdammt, einem Prinzen das Herz zu rauben. Doch dann begeht sie einen Fehler und ihre Mutter verwandelt sie zur Strafe in die Kreatur, die sie am meisten verabscheut – einen Menschen. Und sie stellt Lira ein Ultimatum: Bring mir das Herz von Prinz Elian oder bleib für immer ein Mensch. Elian ist der Thronerbe eines mächtigen Königreichs. Doch das Meer ist der einzige Ort, an dem er sich wirklich zu Hause fühlt. Er macht Jagd auf Sirenen, vor allem auf die eine, die so vielen Prinzen bereits das Leben genommen hat. Als er eines Tages eine junge Frau aus dem Ozean fischt, ahnt er zunächst nicht, wen er da an Bord geholt hat. Bald wird aus Misstrauen jedoch Leidenschaft und das Unerwartete geschieht – die beiden verlieben sich ineinander.

Meine Meinung:
Das Buch ist brutal, aber auch faszinierend. Die Autorin beschreibt eine wunderschöne und grausame Welt und erschafft dort eine einzigartige Liebesgeschichte.

Die Kapitel werden abwechseln aus Liras und Elians Sicht erzählt, sodass man bei beiden erfährt, aus welchen Motiven sie handeln. Der Prinz mit seiner humorvollen Art und die Sirene mit ihrer eisigen, gefühllosen Fassade. 

Lira ist eine Sirene und tötet an jedem Geburtstag einen Prinzen, indem sie ihm das Herz herausreißt.

Sie ist die gefürchtete Tochter der Herrscherin übers Meer - eine Meereshexe mit Tentakeln, Knochenthron und Unterwasserpalast.

Elian ist ein Prinz aus den 100 Königreichen, nur findet er seine königlichen Pflichten erdrückend und ermüdend und fährt lieber wie ein Pirat übers Meer, um Sirenen zu jagen. Er kommt nur selten an Land, um seine königliche Familie zu besuchen, die in einer goldenen Stadt in einer Pyramide haust und fühlt sich dafür seiner Mannschaft gegenüber eng verbunden. 

Als Lira von ihrer Mutter in einen Menschen verwandelt wird und Elian sich auf den Weg macht, eine Waffe zu finden um die Meereshexe zu vernichten, kreuzen sich die Wege der beiden. Zuerst noch mit gegenseitiget Abneigung beschäftigt, stellen sie nach einer Weile auf ihrer Reise fest, dass sie noch andere Gefühle füreinander entwickeln. (Ich möchte nur kurz darauf hinweisen, dass die Liebesgeschichte keine epischen Ausmaße annimmt und man als Leser deswegen nicht zu viel davon erwarten sollte.)

 

Die Grundidee der Geschichte und das  Arielle-Retelling-mäßige sind genau nach meinem Geschmack, aber leider sind mir mehrere Kritikpunkte aufgefallen. Aber das sind zum Teil nur Logik- oder Wortfehler, die die meisten Leser wohl nicht stören werden.

Dass man nicht so viel über die Welt erfährt, bzw. nicht genug (es gibt leider keine Karte), sondern nur ungenaue Angaben, finde ich sehr schade. Die 100 Königreiche sind z.B. ziemlich cool in verschieden talentierte Königshäuser eingeteilt - jedoch gibt es ein "Königreich der Diebe", "Königreich der Waisen" und "Königreich der Unwahrheit" und ich frage mich, was sich die Autorin dabei gedacht hat. Die Bezeichnungen sind ja keine Vorurteile sondern offzielle Namen um die Länder zu erklären - aber wie funktioniert ein Königreich der Diebe oder eine Gesellschaft der Unwahrheit? Solche Gedanken haben mich davon abgehalten, das Buch vollständig zu genießen.

Auch etwas mehr Charakter-Entwicklung habe ich mir zwischendurch gewünscht, um Elian und Lira besser zu verstehen und näher kennen zu lernen. Gerade bei Lira fehlt meiner Meinung nach noch der Feinschliff - Gedanken wie "seltsame aber faszinierende Menschenwelt" oder "wie bewege ich mich mit Beinen" sucht man in diesem Buch nämlich leider vergebens - dadurch hat Liras Schicksal mich ziemlich kalt gelassen und man hat auch keine Chance die Menschenwelt aus neuen Augen kennen zu lernen. Dafür mag ich aber diesen grausamen Touch, den die Meerjungfrauen haben - möglichst beängstigend, grausam und kalt zu sein, um der Herrscherin zu gefallen. 

Zu guter Letzt hat mich dieser "Piratenprinz" tierisch gestört. Ich kann das Wort nicht mehr leiden, denn Elian hat es total zerstört. Dieser Prinz, der aus einem super reichen Königreich kommt, will lieber seine Pflichten vernachlässigen und FREIHEIT genießen, deswegen muss er jetzt ein PIRAT sein. Oh ja, ein abgebrühter und voll grausamer Pirat, der bei seinen Landgängen jedesmal in einem anderen Palast begrüßt und beschenkt wird. Ein attraktiver, angenehm riechender und vollkommen gesunder Mann, der ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn er mordende Monster tötet. Was für ein PIRAT - ächz. Ich glaube, alle echten Piraten aus unseren Geschichtsbüchern würden sich im Grab umdrehen.

Und dann bekommt Lira irgendwann neue Klamotten und wird gleich als "Piratenprinzessin" beschrieben - ach bitte!

Von daher sollte man als Fan von den "echten" Piraten nicht zu viel von den Charakteren verlangen und sich schon mal darauf einstellen, eine sehr seichte und romantisierte Version eines freiheitsliebenden Seefahrers zu bekommen. 

 

Aber die Geschichte hat mich abgesehen von diesen Kleinigkeiten nun mal so gefesselt, dass ich nicht mehr pausieren wollte - dabei kann ich wirklich nicht nennen, woran das lag... denn stark actionreichen oder spannungsgeladen ist das Buch auch nicht... man gerät einfach gut in eine angenehme Leseströmung und lässt sich davon forttreiben. 

Trotz allem gebe ich deswegen 4 Punkte, denn das Leseerlebnis war toll und ich weiß, dass meine Kritik mal wieder etwas zu "mimimi" ist. Außerdem passt das Cover extrem gut zum Inhalt, denn als ich es mir im Nachhinein noch einmal angeschaut habe, gefiel es mir noch einmal besser als schon auf den ersten Blick! (Dass sich der Titel wie eine Mischung aus "Elias und Lyra" und "Das dunkle Herz des Waldes" anhört, finde ich dafür aber ziemlich schwach.)

 

Fazit: Für Fans von Arielle und Fluch der Karibik (und Piratenprinzen!).