Rezension: Dark Palace - Zehn Jahre musst du opfern

Titel: Dark Palace - Zehn Jahre musst du opfern

Autor: Vic James

Verlag: Fischer Jugendbuch

Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

 

 

 

 

Werbung fürs Lesen. Leseexemplar. 

Klappentext:

In England muss jeder, der nicht zum magischen Adel gehört, zehn Jahre lang als Sklave arbeiten. 

Lukes Familie will diese Sklavenjahre gemeinsam durchstehen, im Dienst der mächtigen Herrscherfamilie Jardine. Doch nun rast Lukes Herz vor Angst, als er plötzlich von den anderen getrennt und in die laute und schmutzige Fabrikstadt Millmoor gebracht wird. Die Arbeit dort ist besonders hart. 

Seine Schwestern sind mit den Eltern am prunkvollen Hofe der Jardines den rücksichtslosen Machtspielen und eiskalten Intrigen der Elite ausgesetzt. Vor allem der junge Adlige Silyen verfolgt mit seinen ungeheuerlichen magischen Fähigkeiten eigene Ziele. Und Lukes Schwester Abi verliert ihr Herz an den Falschen.


Meine Meinung: 

Ich habe mich ziemlich auf dieses Buch gefreut, das Cover finde ich cool und der Klappentext hat mich auch angesprochen - Intrigen in der Herrscherfamilie, magische Fähigkeiten, Sklavenstädte... So viel Potential!

Aber leider konnte es meine Erwartungen nicht erfüllen.

Das Konzept hat sich spannend und interessant angehört, ist aber nicht so umfassend toll erklärt, dass es mir gefallen hätte.

Es lässt sich doch wirtschaftlich einfach nicht umsetzen... über 90 Prozent der Bevölkerung wird für zehn Jahre aller Rechte enthoben und zu Zwangsarbeit verdonnert... Die Unterstützer dieser Sache sind klar in der Unterzahl - wieso funktioniert es? Die Welt wirkt doch so modern, es gibt Autos, eine irgendwie funktionierende Gesellschaft, über andere Zustände in anderen Ländern wird berichtet.  Aber es werden nicht einmal vergangene Aufstände erwähnt...als würden alle die Sklavenarbeit einfach so hinnehmen, obwohl sie auch den Rest des Lebens normal arbeiten - Ich bin verwirrt. Und konnte mich deswegen kaum an diese Welt gewöhnen, die die Autorin erschaffen wollte.

Großbritannien, aber ohne Königshaus, nur mit einem Parlament aus magischem Adel?  Mir fehlt da der Hintergrund, um den Spaß zu glauben.

Die "Bösen" in dieser Geschichte sind dadurch einfach zu uninteressant, als dass man sich auf eine Widerstandsbewegung oder eine Revolution freuen würde. 

 

Man lernt auf den ersten 100 Seiten in fast jedem Kapitel eine neue Person kennen.

Am häufigsten begegnet man Luke, den die Sklavenarbeit am schlimmsten trifft. Dazu kommt seine Familie, die man am Anfang kurz kennen lernt und über die man durch Abis (Lukes Schwester) Kapitel informiert bleibt. Aus der Sicht der Privilegierten wird auch erzählt, wobei es da interessante und auch belanglose Kapitel gibt...langweilige "Gegner" eben, wie gesagt. Von den ganzen betrachteten Personen sind vielleicht drei wirklich wichtig, weswegen ich diese Sprünge zu anderen Charakteren als teilweise unnötig oder störend empfand.

Dabei sind die Charaktere toll angelegt. Sie sind verschieden, haben ihre nützlichen Eigenschaften und ihre Aufgaben, an denen sie wachsen müssen. Aber irgendwas stört mich eben am Gesamtbild.

Auch der große Unterschied von Lukes hartem Leben zu dem Leben seiner Familie fand ich seltsam - denn alle sind ja nun Sklaven ohne Rechte, weshalb wird es nur bei Luke so schlimm dargestellt und der Sklavenalltag bei den anderen kaum beschrieben? Die Familie musste nur wo anders hinziehen, so kommt es einem vor. Bei "Sklaven" erwarte ich da etwas anderes.

Den Alltag von Luke habe ich am liebsten verfolgt, dagegen waren die Szenen auf dem Herrenhaus ziemlich ereignislos. Seine Schwester Abi fand ich nicht so besonders, auch ihr verliebtes Interesse habe ich nicht ganz verstanden - es hat zum Glück keine große Rolle gespielt. Am meisten hat mir Silyens Charakter gefallen, leider erfährt man aber gar nicht so viel von ihm und er bleibt eher mysteriös. 

Die Kapitel haben zwar häufig offen und spannend geendet, aber mich konnte das ganze Buch nie richtig mitreißen oder fesseln.

Aber vielen Lesern scheint es gut zu gefallen, also bin ich vielleicht einfach nur zu sehr im Meckern versunken...?

Mir gefällt das Konzept, ich finde den Aufbau der Story nachvollziehbar und ich mag die Charaktere... aber ich mag nicht, was mir von der Geschichte erzählt wird. Ergibt das Sinn? 

Gegen Ende hin wird es spannend und dank Plottwist und Action  war ich da dann auch eine Zeit lang sehr begeistert.

Das offene Ende lässt auf jeden fall Raum für mehr... aber noch ein Buch muss ich nicht lesen.

Was der Verlag mit Titel und Cover angestellt hat, will ich auch noch kurz erwähnen: Es passt nicht. Es passt nicht!!! Warum zwei Gesichter, wenn es mehrere wichtige Personen gibt und keine große Liebesgeschichte? Wozu coole pinke Blitze, wenn die "Magie" hier eher was telepathisches, unsichtbares ist? Warum "Dark Palace", wenn NIE ein Palast erwähnt wird?! Unpassend! (Im Original heißt das Buch "Gilded Cage" und das hat einen sehr passenden, inhaltlichen Bezug.)

 

Fazit: Es konnte mich nicht überzeugen, aber Idee & Charaktere gefallen mir schon.