Rezension: Spinster Girls - was ist schon normal?

Titel: Spinster Girls - Was ist schon normal?

Autor: Holly Bourne

Verlag: dtv

Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

 

 

 

 

Werbung fürs Lesen. Leseexemplar

Klappentext:
Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen?

 

Meine Meinung:

Dieses Buch ist nicht für jeden was, auch wenn ich es eigentlich jeder Sechzehnjährigen in die Hand drücken möchte - es sollte nämlich eine fette Trigger-Warnung* haben. 

Die Geschichte handelt von der sechzehnjährigen Evie, die unter einer Angst- /Zwangsstörung leidet und sich gerade Richtung Ende ihrer Therapie bewegt, neu auf dem College begonnen hat und nun neue Freundinnen findet und Interesse an Jungs zeigt.

Der Schreibstil ist jugendlich, aber auch ziemlich fesselnd. Evie erzählt aus ihrer Sicht, wodurch man die Krankheit sehr nah miterlebt und gut nachvollziehen kann. (Fast schon zu gut, in der Szene mit dem Sandwich ist mir auch ziemlich schlecht geworden). Ich finde Evie leider etwas selbstbezogen - eigentlich ja typisch für 16, also kein guter Kritikpunkt - sie trinkt zudem gerne auf Hauspartys und verwendet teilweise komische Sprache (kritisiere ich das gerade? Oh Mann, ist es schon so lang her, dass ich selbst 16 war?) Jedenfalls kommt ziemlich gut rüber, wie sehr sie das Bedürfnis hat, normal zu sein und dazu zu gehören. Sie macht Fehler - manche absichtlich - will eigentlich nur frei von ihrer Krankheit sein und glücklich werden, und einen Jungen zu finden, der sie liebt, ist das größte Ziel.

Ich konnte leider nicht so ganz nachvollziehen, wie genau und plötzlich die feste Freundschaft zu den beiden anderen Mädels, Lottie und Amber, entstanden ist, weil sie denen kaum etwas von sich erzählt und ich den Eindruck hatte, dass ihr die Jungs und deren Anerkennung trotz allem wichtiger sind. 

Die beiden Mädels sind klasse, aber irgendwie auch sehr austauschbare beste Freundinnen-Klischees, weswegen es nicht mehr viel über sie zu sagen gibt. Mir haben die Gespräche der drei aber an sich sehr gut gefallen, denn sie reden tatsächlich mal über die wichtigen Themen, die Mädels in dem Alter beschäftigen. Lottie und Amber sind auch die Hauptpersonen in den anderen Büchern, mal schauen wie das so wird...

(Spoiler: sehr blöd, dass der Leser nicht wirklich erfährt, wie  die zwei dann später mit ihrer Erkrankung umgehen. Das wäre doch mal wichtig gewesen!)

Dann komme ich mal zu den Jungs. Puh. Es gibt drei Typen, für die Evie ziemlich schnell (hintereinander) Interesse entwickelt. Diese Sprünge von einem zum nächsten gingen mir etwas arg schnell, aber wieder: Mit 16 passiert das halt mal so. Die Jungs haben mich also nicht wirklich interessiert und ich konnte Evies Interesse nicht nachvollziehen - außer, dass sie wohl sehr attraktiv aussehen. Jedenfalls erwartet Evie irgendwie von allen dreien sehr schnell, dass sie sie genau so anziehend finden und ist dann enttäuscht, dass dem nicht so ist... willkommen in der Realität, Mädchen. 

Ich habe aufgrund des Klappentextes nicht erwartet, dass man so sehr mit Evies Krankheit konfrontiert wird. Ich fand die Gedankengänge und die Reaktionen auf diesen Zwang sehr heftig und detailliert beschrieben. Die Krankheit steht definitiv im Vordergrund, ich hätte bei einem Titel wie "Was ist schon typisch Mädchen?" eigentlich erwartet, dass die Freundschaft und die Girlpower mehr Platz in der Story hat. 

Wäre mir Evie insgesamt sympathischer gewesen, hätte mir das Buch besser gefallen.

Trotzdem habe ich sehr mitgefiebert und mitgelitten und musste dieses Buch in einer Nacht durchlesen!

 

Fazit: Dieses Buch zeigt jugendlichen Lesern, wie es ist mit einer Angst-/Zwangsstörung zu leben und zu lieben. Könnte triggern. Ich will 4 Punkte geben, weil es die Gefühle so echt und beängstigent rüber gebracht hat und das schon eine Leistung ist... aber eigentlich hat es nicht so viele Punkte verdient, weil ich mir vom Inhalt etwas anderes erwartet habe. 

 

*Triggerwarnung/Spoiler: Evie hat Angst vor Bakterien, einen Waschzwang und auch einen Zählzwang, im Laufe der Geschichte wird dies schlimmer, da ihre Medikation verringert wird (bis es dann am Ende zum Unausweichlichen kommt). 

 


Es geht weiter mit den Spinster Girls: "Was ist schon typisch Mädchen?"

(Im Englischen Original ist dies eigentlich der dritte Teil.)

(Ich weiß nicht, ob ich noch weiter lesen werde, weil ich mich einfach nicht mehr zur Zielgruppe zähle)

 Klappentext: 

Alles, was Lottie will, ist die Welt zu verändern. Dafür startet sie ein Experiment: Einen Monat lang möchte sie mit ihren Freundinnen auf ihrem Vlog auf jede sexuell diskriminierende Situation aufmerksam machen, die ihnen im Alltag widerfährt. Ebenso wichtig ist Lottie aber das Vorstellungsgespräch an der Eliteuni Cambridge, auf das sie sich schon seit Jahren vorbereitet. Und dann ist da auch noch Will, der sie tagtäglich auf die Palme bringt. Hat sie sich zu viel vorgenommen?