Schulbuchzeit im Buchhandel

Wer im Einzelhandel arbeitet weiß: Weihnachten ist die anstrengendste Zeit des Jahres.

Aber bei Buchhandlungen gibt es eine Zeit, die oft noch viel schlimmer ist: Schulbuchzeit!

Schon kurz vor Ferienbeginn geht es los: Kunden kommen mit mehreren Seiten an Listen durch die Türen geströmt, decken sich mit Schnellheftern und Bleistiften ein als wäre das Ende nahe und beschweren sich in einem fort darüber, dass Schulbücher generell zu teuer sind.

Natürlich trifft dieses Schicksal nicht jede Buchhandlung. Aber hier bei uns in Niedersachsen, wo keine Lernmittelfreiheit herrscht, bricht in manchen Buchhandlungen jeden Sommer die Hölle auf Erden aus. Mein Ausbildungsbetrieb ist auch davon betroffen, und ich wollte euch den ganzen Spaß, den ich die letzten Wochen hatte, nicht vorenthalten!

Wir beginnen an einem warmen Sommermorgen, dessen Tagestemperaturen noch über 30 Grad klettern werden, sodass man spätestens am Nachmittag im eigenen Schweiß gar gekocht wird.

Als meine Füße nach dem Aufwachen den Boden berühren, merke ich, dass sie tierisch weh tun und mit dem Erholen vom vergangenen Tag wohl gerade erst begonnen haben. Egal, die nächsten 10 Stunden werden trotzdem wieder auf den Füßen verbracht. Die benutzte Müslischale wird nach dem frühstücken auf die restlichen vier in der Spüle gestapelt - wenigstens heißt das, die Woche neigt sich dem Ende zu und Sonntag ist dann auch endlich wieder Zeit für den Wohnungsputz. Bevor ich das Haus verlasse, schaue ich noch einmal in den großen Spiegel - hoffnungsloser Blick, Augenringe des Todes und wieso sind mir immer noch nicht die zusätzlichen Arme gewachsen, die ich gerade so dringend benötige?

Um kurz vor neun betrete ich den Laden und schaue zu, wie die Opfer des Vortages beseitigt werden und Ware nachgeladen wird. 

Ein paar Kollegen sind schon seit acht Uhr fleißig dabei, die heute Nacht angekommenen Schulbücher auszupacken und zu sortieren. Mit 51 Packstücken sind es mehr als gestern, aber die Anzahl  wird weiter zunehmen, denn Tag X liegt noch vor uns.

Türen öffnen und los geht's.

Die erste Kundin kommt zielstrebig auf mich zu marschiert, sie hält einen bedruckten Zettel in der Hand. Bleibt vor mir stehen. "Guten Morgen", sage ich freundlich. Denn auch wenn gerade Krieg herrscht, muss man ja nett bleiben. Die Kundin streckt mir den Zettel hin, "Ich brauche das."

Für alle, die das Konzept nicht kennen: Die Lehrer verteilen am Ende des Schuljahrs Listen, auf denen die Materialien und Bücher aufgelistet sind, die für das nächste Schuljahr gebraucht werden. Damit laufen dann alle Eltern mit oder ohne Kind in den nächsten Laden, um alles einzukaufen.

Bei den Schulbuchlisten gibt es immer viel Rätselspaß, vor allem, wenn die Schule Kopierkosten sparen möchte und auf eine Seite der Liste  die Bücher von drei Jahrgängen mit zusätzlich drei verschiedenen Fremdsprachen-möglichkeiten setzt. Ihr möchtet euch nicht vorstellen, wie viele Eltern nicht wissen, in welche Klasse ihr Kind versetzt wird oder welche Fremdsprache es seit drei Jahren in der Schule erlernt!

Wenn man es dann geschafft hat, gemeinsam mit den Eltern in Kenntnis zu bringen, was genau bestellt werden soll ("das Angekreuzte, das doppelt Markierte, dieses Eine, was durchgestrichen ist und zusätzlich noch das, was einmal markiert ist in doppelter Ausführung, bitte"), kommt die nächste Hürde: Unvollständige ISBN, Tippfehler, Zahlendreher, Bücher die seit Jahren nicht mehr gedruckt werden ... ich frage mich wirklich, was manche Lehrer sich denken, wenn sie jedes Jahr aufs neue dieselbe Liste verteilen. 

 Außerdem ist es vielleicht eine wichtige Information, dass es z.B. das "Worbook Green Line Klasse 7" in vielen verschiedenen Auflagen und Ausführungen gibt, teilweise sogar jedes Bundesland eine eigene Ausgabe hat und es deswegen von essentieller Wichtigkeit ist, auf Schulbuchlisten nicht nur den Titel, sondern auch die korrekte ISBN zu schreiben. 

 Meine erste Kundin heute hat aber eine relativ einfache Liste dabei, auf der nur zehn Bücher und Hefte zum Bestellen stehen, sogar mit vollständiger ISBN. So muss ich nur die Nummern abtippen und schauen, ob der Großlieferant sie zu morgen schicken kann. Nur eine Sache muss ich noch klären: "Welche Fremdsprache hat Ihr Kind in der Schule?" 

Die Kundin schaut mich an, als ob ich sie gebeten hätte, eine schwere mathematische Gleichung zu lösen. Ich tippe auf den Zettel: "Französisch, Latein oder Spanisch?" 

"Alles auf der Liste bestellen, bitte.", sagt die Kundin. Och nö, es hat doch so gut angefangen! 

Es dauert eine Weile, bis die Kundin sich daran erinnert, dass Ihre Tochter seit drei Jahren Französisch in der Schule lernt.

Nachdem die Bestellung abgeschlossen ist, schaue ich zum nächsten Kunden, der sich schon neben den PC gestellt hat - und hinter ihm noch zwei weitere Leute mit Listen. Vor der Kasse hat sich bereits eine Schlange gebildet. "Guten Morgen", sage ich mit festgetackertem Lächeln zum nächsten.

Er gibt mir seine Liste. Und weiter geht's.

"Französisch, Latein oder Spanisch?"

"Äääh, Ja!"

Tief durchatmen. 

Die Kunden hinter ihm schnauben wütend, als er seinen Sohn anrufen muss,  um herauszufinden, welche Sprache dieser seit zwei Jahren lernt und ob er in Englisch im G-Kurs oder doch im E-Kurs ist. Wenigstens erfährt er durch das Telefonat, dass die Bücher schon alle ausgeliehen sind und nur noch die Arbeitshefte bestellt werden müssen.

Die nächste Kundin rückt vor ... und ich sehe unvollständige ISBN auf ihrer Liste. Ich weiß nicht, wieso Schulen denken, dass man mit "Green Line Workbook, Klett, 8342153" irgendetwas sinnvolles anfangen kann. Eine ISBN hat schließlich aus gutem Grund diese 13 Ziffern. Aber in der Buchhandlung ist man auf solche Dinge zum Glück vorbereitet und weiß, welche Nummer welcher Verlag in der ISBN hat (Klett hat die 12 hinter der 9783). Das heißt aber noch lange nicht, dass sich der Bestellvorgang dadurch verkürzt. 

"Das Arbeitsheft für Deutsch fehlt gerade kurzfristig am Lager", muss ich der Kundin leider mitteilen. 

Irgendwo im Laden beginnt ein Baby zu schreien.

"Was heißt das? Wann kommt es an?"
"In der Regel braucht es ca. 10 Tage. Die anderen Sachen sind aber morgen schon hier."

"10 Tage?! Aber die Schule beginnt nächsten Mittwoch!"

"Ich kann das leider nicht beeinflussen, der Großlieferant hat nur eine bestimmte Anzahl an Exemplaren auf Lager und so kurz vor Ferienende bestellen alle Buchhandlungen dort, deswegen ..." aber sie hört mir gar nicht mehr zu und tippt schon auf ihrem Handy herum. 

"Amazon kann es zu morgen schicken!", stellt sie triumphierend fest. Aus meinen Augen spricht definitiv nicht dieselbe Freude. Der Grund, dass Amazon es noch hat, liegt nämlich daran, dass Amazon die Lager der Verlage leer kauft. (Aber dazu gibt es mal einen separaten Blogpost)

"Wissen Sie was?", sagt die Kundin dann, "Ich bestelle einfach alles dort. Schönen Tag noch!" und geht. Tief durchatmen. 

Die nächste Kundin rückt vor. Sie begrüßt mich mit "Guten Morgen", was ihr definitiv Pluspunkte einbringt. Auf ihrer Liste sind bereits die zu bestellenden Bücher gelb markiert, wodurch die Bestellung reibungslos und schnell funktioniert. Zum Glück ist alles noch lieferbar.

Als wir damit fertig sind, kramt sie die nächste Liste aus. "Ich bräuchte Hilfe bei den Materialien.", sagt sie fast entschuldigend. 

Da meine Buchhandlung auch Papeterie, Büro- und Schulbedarf im Angebot hat, muss ich mich auch mit dem Material und nicht nur mit den Büchern herumschlagen.

Und gerade auf den Materiallisten können sich die lieben Lehrer so richtig kreativ austoben!

 Von "Schreiblernstift" (= ein normaler, dicker Bleistift) zu "kleines DIN A 4 Heft" (=also DIN A 5), bis hin zu "DIN A 4 Heft, Lineatur 25, kariert" (= also Lineatur 26. Die Lineatur sagt aus, ob es kariert oder liniert sein soll!) ist lauter Spaß dabei. Die Kundin gerade möchte aber nur wissen, wo sie ein "Geschichtenheft 1G" findet und was das überhaupt sein soll. (Es ist ein Schreibheft mit einer linierten und einer freien Seite, damit zum Text ein Bild gemalt werden kann). Dazu braucht sie noch eine "Postmappe mit drei Flügelklappen und Eckspanngummis" (= eine gelbe Sammelmappe DIN A4).

Die Kundin verschwindet Richtung Kasse und plötzlich bin ich von einem halben Dutzend ratloser Gesichter umgeben.

"Ich suche einen Tuschkasten, ist das dasselbe wie dieser Deckfarbkasten?"
"Soll ich Papier- oder Plastikmappen kaufen?"
"Braucht mein Sohn in der vierten Klasse noch dicke oder schon dünne Buntstifte?"
"Können Sie mir sagen, ob dieses Heft Lineatur 25 hat?" (auf dem Heft steht eine große 25)

"Haben Sie dicke schwarze Fineliner?" (also Filzstifte?)
"Wo finde ich DNA 4 Hefte mit Literatur 25?" (DNA?! Literatur?!)

"Haben Sie diese Einsetzer für den Schulranzen, damit die Mappen und Hefte keine Knicke bekommen?", fragt mich eine Kundin, die wie jemand aussieht, der alles immer sehr genau und korrekt haben möchte. Ich zeige ihr besagte Plastik-Fächer, die in die Schulranzen passen. Sie schaut sie sich genau an und stellt fest: "Hier passen aber keine Pappmappen hinein. Ich habe letztes Mal schon Pappmappen gekauft." Ich: "So dringend braucht man diesen Einsatz ja auch nicht. Ich bin mir sicher, dass Ihr Kind auch so schon vorbildlich mit seinen Schulsachen umzugehen weiß."

Sie erwidert: "Aber die Mappen bekommen doch irgendwann Knicke, wenn man sie jeden Tag im Rucksack hat!"

Ich (unsicher, worauf sie hinauswill): "Ja, ... da haben Sie Recht? So ist das eben?"

"Sehen Sie, deswegen braucht mein Sohn dieses Teil hier, denn wenn seine Mappe eine abgeknickte Ecke hat, bekommt er auf Mappenführung keine 1 mehr, sondern nur noch eine 2!" Herr im Himmel! Ist das ihr Ernst?!

Irgendwann befreit mich ein Kollege aus der Schulmaterial-Ecke des Ladens und schickt mich in die Frühstückspause.

Auf dem Weg in den Pausenraum komme ich an der unglaublich langen Schlange vor der Kasse vorbei.

Eine Stammkundin bremst mich ab und hält mir eine Postkarte ins Gesicht. "Ich will nur diese Karte kaufen, hier, ich kann Ihnen das Geld doch auch so geben!" (Wie kommt man bitte auf diese Idee?) Ich weiche ihr aus und renne zum Pausenraum, bevor mich noch jemand aufhalten kann.

Der Pausenraum verwandelt sich zu dieser Zeit des Jahres in eine Deeskalationszentrale, wo ab und zu die Tür auffliegt, um kurz in den Raum zu schimpfen, meckern oder verzweifelt zu schreien. Weinen musste, zumindest dieses Jahr, zum Glück niemand. Dass während der Schulbuchzeit Literweise Eiskaffee und Kiloweise Schokolade konsumiert werden, muss ich wohl gar nicht mehr erwähnen.

Während meiner Pause unterhalten sich gerade zwei Kollegen darüber, wie häufig diese Woche schon der Weltatlas umgetauscht wurde, weil er schon zuhause vorhanden war. Unglaublich oft. Denken die Leute eigentlich gar nicht nach, bevor sie einkaufen?

Die Frühstückspause ist schnell vorbei und ich stürze mich, gestärkt vom Eiskaffee, wieder in die Schlacht.

Es ist nun schon extrem stickig und heiß im Laden und auch der Geräuschpegel liegt weit hinter unangenehm. 

Es ist wirklich gruselig, wie laut und unruhig der gesamte Laden zu solchen Zeiten wird. Das gesamte Klima verändert sich, aus friedlichem Auenland wird Mordor. Vielleicht liegt das an den Menschen, die nur einmal im Jahr zu diesem Anlass einen Buchladen betreten und  deswegen keine Ahnung haben, wie man sich dort verhält? Jedenfalls sind hier sonst nie so viele laut schreiende und kreischende Kinder unterwegs.

Vorm Abholfach steht eine Traube an Menschen und wartet darauf, dass sie ihre Bücher abholen können. Einige betreiben schon fröhlich Selbstbedienung. Ich weise sie freundlich darauf hin, dass das hier so nicht läuft.

Unser Abholfach platzt während der Schulbuchzeit aus allen Nähten - sechs Wochen lang stehen im Verkaufsraum zudem noch etliche Kisten mit alphabetisch sortierten Bestellungen. Täglich werden Unmengen bestellt und abgeholt.

Auch die nächste Kundin möchte mit ihrer Tochter zusammen ihre Bücher abholen. Ich suche die Sachen zusammen, die einen hohen und schwerer Stapel ergeben, und ernte einen skeptischen Blick. Die Frau will unbedingt den Zustand der Arbeitshefte kontrollieren. Sie befindet ihn als Mangelhaft: "Schauen Sie mal, die Ecken sehen alle aus wie angefressen!" Ich untersuche die Hefte und weiß zuerst nicht, was sie meint. Bis sie an der einen Ecke des Arbeitsheftes herumpult und ich erkenne: Sie meint die unsauberen Schnittstellen. Ich erkläre ihr, dass Arbeitshefte so produziert werden und beim Schnitt die Ecken leicht ausfransen. Ich erkläre ihr, dass das beim Transport auch mal etwas mehr ausfransen kann. Ich erkläre ihr, dass alle Hefte so aussehen. Ich erkläre ihr, dass es sich um ein Arbeitsheft handelt und damit um Verbrauchsmaterial, das jeden Tag in einem Schulranzen herumgetragen wird, wo es früher oder später etwas ausfransen oder knicken wird.

Sie schaut mich schweigend mit einer spöttisch hochgezogenen Augenbraue an. Ihre Tochter meldet sich zu Wort. Ich zitiere: "Komm Mutter, wir fahren in die Stadt und kaufen meine Schulsachen dort." Die Frau nickt, teilt mir mit: "Wir nehmen diese Bücher nicht mit." und geht.

Ich schaue den Herrschaften hinterher, schaue den Stapel an und frage mich, ob ich jetzt schon schreiend aus dem Laden laufen darf oder ob ich 

tatsächlich noch bis sieben Uhr durchhalten muss. Alle Bücher retournieren, weil ein Arbeitsheft mangelhaft erscheint?! Was bilden sich die Leute ein?!

Schon wird mir die nächste Schulbuchliste vor die Nase gehalten. Diesmal ganz ohne Worte. "Bestellen? Abholen?" frage ich, weil mir auch immer noch die Worte fehlen. Zur Antwort bekomme ich ein Nicken. Juhu.

Drei Kunden und sechs Listen später erbarme ich mich und gehe ans Telefon. Ein paar Meter weiter schreit ein Haufen Kinder so ohrenbetäubend laut, dass ich die Person am anderen Ende der Leitung kaum verstehe. Ich flüchte mit dem Telefon in den Wareneingang. 

"So, jetzt verstehe ich Sie besser, wie kann ich Ihnen weiterhelfen?"

"Ist mein Buch schon angekommen?"

"Auf welchen Namen war es denn bestellt?"
"Ikschof!" (Gesundheit?)
"Wie wir das geschrieben?"

"Mit C!" (Hääääää)
(und so weiter)

"Ah, ich sehe, Ihr Buch befindet sich im Nachdruck. Es kann also noch gut zwei Wochen dauern. Genau kann ich es Ihnen nicht sagen, ich habe nur die Information, dass es sich im Nachdruck befindet. Wir können uns ja gerne bei Ihnen melden, wenn es hier eintrifft."

"Aber nächste Woche beginnt die Schule!!!"
"Ich weiß, aber das Buch ist nun mal gerade nicht lieferbar. Ich kann daran nichts ändern."

"Hat Amazon das noch?"
"..."

"Ich versteh das nicht, ich habe es doch vor einer Woche schon bestellt!"
"Ja, aber das Buch muss vom Verlag erst wieder produziert werden. Das dauert nun mal seine Zeit."

"Warum dauert das so lange, ich habe letzte Woche bestellt, ich möchte, dass sie mir dieses Buch bis morgen beschaffen, sonst werde ich mich wieder melden!!!" (und aufgelegt) Ich liebe solche Kunden. Vor allem, wenn sie persönlich in den Laden kommen und dann noch ihre Kindern dabei haben und ihnen zeigen, wie man sich auf keinen Fall verhalten sollte. 

Wenn die Lager beim Verlag leer sind, dann sind sie leer und dann müssen die Schulbücher nachgedruckt werden. Sowas kann dauern, auch mal bis ein paar Wochen nach Schulbeginn. Und daran kann ein Buchhändler nichts ändern, egal wie wütend man am Telefon mit ihm schimpft.

Das Telefon werde ich für den Rest des Tages erst einmal ignorieren.

Kaum trete ich aus dem Wareneingang, kommt ein Mädchen auf mich zu. "Hallo, ich möchte ein Arbeitsheft bestellen."
"In Ordnung, komm bitte mit rüber an den PC. Welches Arbeitsheft soll es denn sein?"
"Für Englisch. Orange Line."

"Ah, okay. Für welche Klasse? Hast du die ISBN? Ohne ISBN kann ich das schwer finden."
"Für die siebte Klasse. Können Sie das nicht einfach eingeben und suchen? Bei Google finde ich es. Ich weiß, wie es aussieht."
"Okay, schau mal (tippe "Orange line Workbook 3" ein) ich habe hier acht verschiedene Ergebnisse. Schau dir mal die Bilder an, welches davon soll es sein?"
"Das da!"
"Aber das ist die Ausgabe fürs Bundesland Hessen."
"Oh, hm. Aber es sieht so aus, glaube ich. Können Sie es nicht bestellen und ich schaue zuhause noch mal nach der ISBN?"

Wir einigen uns darauf, dass sie sich wieder meldet, wenn sie die ISBN hat. Ich versuche mich daran zu erinnern, was ich eigentlich heute noch dringend erledigen musste. Mein Hirn fühlt sich an, als hätte ich am PC hundert Tabs geöffnet - zwei davon spielen Musik ab und in anderen kündigen sich andauernd neue Nachrichten an. Ein penetrantes Telefonklingeln unterstreicht das ganze. Herrlich. 

Die nächste Kundin kommt zu mir, sie will zum Glück kein Schulbuch. Aber dafür ... 

"Hallo, ich suche einen Krimi. Können Sie mir dabei weiterhelfen?" Sie tupft sich den Schweiß von der Stirn und schaut missbilligend zu den laut schreienden Kindern hinüber. 
"Hallo, welchen suchen Sie denn? Wissen sie den Autoren?"
"Nein, leider nicht. Aber es ist ein Taschenbuch und so dunkelblau. Mit weißer Schrift, meine ich. Und die Autorin ist schwedisch oder irgendwie aus dem Norden."

"Ah, okay. Und fällt Ihnen noch irgendwas zum Titel ein? Oder worum es geht? Ist es ein neuer Titel?"

"Nein, den gibt es schon länger. Eine Bekannte hat es mir empfohlen. Es geht um so ein Haus und einen Mörder."
(Wir konnten das Buch, trotz dieser ausführlichen Beschreibung und dieser großartigen Indizien leider nicht ausfindig machen)

...Jetzt stelle ich mich lieber für den Rest des Tages an die Kasse, da muss ich wenigstens keine Listen abarbeiten und für Menschen verschiedenfarbige Pappmappen zusammensuchen.

Ich kann das Wort "Schulbuch" wirklich nicht mehr hören und freue mich schon riesig darauf, dass Ende September die erste Weihnachtsware reinkommt.

Aber der Tag X, der Tag des Schulbeginns steht uns ja erst noch bevor ...

(Ich habe ihn überlebt!)

 

Ich hoffe, der kleine Einblick in den stressigen Sommer eines Buchhändlers kann euch ein wenig amüsieren.

Ich will mich hier natürlich nicht über die Arbeit an sich beschweren, denn man freut sich ja über viele Kunden, Menschen, die Bildung genießen können und darüber, dass man selbst einen Arbeitsplatz hat. Aber allein schon die Tatsache, dass es mittlerweile einen ganzen Monat gedauert hat, diesen Blog Post fertig zu schreiben, zeigt wohl, wie fertig ich mit der Welt bin. Deswegen: Sorry für die lange Bambus-Talk-Pause, ab jetzt geht es regelmäßig wieder weiter!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0