Rezension: Neujahr

 Titel: Neujahr

Autor: Juli Zeh

Verlag: Luchterhand

Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten

 

Werbung fürs Lesen. Leseexemplar

Klappentext:

(der ist ja mal ausführlich!)
Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater – in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen - etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

 

Meine Meinung: 

Man begleitet Henning einen Berg hinauf. Es ist Neujahr und er fährt mit dem Rad, was er sich schon lange vorgenommen hat. Mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern hat er Weihnachten und Silvester auf Lanzarote verbracht. Seit einigen Jahren leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, will deswegen aber nicht zum Arzt.

Mit vielen springenden Rückblicken wird sein Leben beschrieben, seine Gefühle und seine Sorgen. Er liebt seine Familie über alles, aber die Verantwortung und die viele Zeit für die Kinder ärgern ihn. Die Beziehung zu seiner Frau könnte besser sein, aber sie haben keine Probleme - oder doch? ES ist da, seine Angst, seine Panik - manchmal wächst sie, manchmal ist sie verschwunden.

Eine Kundin hat mir dieses Buch wärmstens empfohlen und ich dachte mir: Nur 180 Seiten? Das lese ich mal kurz. Aber dieses Buch ist nicht mal eben gelesen, man verbringt schon seine Zeit damit. Zum einen liegt das daran, dass nicht viel passiert, und dann  kommt dieser Schreibstil dazu - ich habe versucht, ihn bei dieser Rezension aufzugreifen, und man merkt vielleicht, was mich daran stört. Abgehackt. Schnörkellos. Abgeklärt.

Mit Henning als Charakter kann ich auch nicht viel anfangen. Henning hat so viele Gedanken und lässt sie nicht raus, reflektiert sich selbst nicht und dreht in Gedanken Kreise. Immer weiter abwärts, während er mit dem Rad immer weiter hinauf will.

Vielleicht bin ich einfach noch nicht im richtigen Alter für dieses Buch. Ist immer schwer, sich in Eltern und deren Leben reinzuversetzen. Alltag und Belanglosigkeit, verlorene Träume. ES, vor dem Henning sich fürchtet und das er vor seiner Familie zu verbergen zu versucht.

All das bewegt Henning auf seinem Weg, den Berg hinauf.

Dabei kommt langsam noch etwas anderes ans Licht: Seine Vergangenheit, die Erinnerung an eine Kindheit, die längst vergessen war.

Nach der Hälfte der Geschichte über Hennings Jetzt-Zustand erfährt der Leser in der zweiten Hälfte mehr über Hennings Kindheit. Der Wechsel kommt unvorbereitet und hat mich ein wenig gestört, auch wenn er ausschlaggebend für die Geschichte ist. Plötzlich geht alles schneller und am Ende fügt sich die Geschichte wie ein Kreis zusammen.

Ein bisschen sinnlos hat es sich am Ende dann aber doch angefühlt, das Lesen. 

 

Fazit: Ohne Anspruch auf Stringenz erzählt die Autorin eine Geschichte, die vielleicht jeden betreffen kann - mich persönlich konnte sie aber (noch?) nicht berühren. Der interessante Stil hat trotz allem etwas fesselndes.