Rezension: Davor und Danach: Überleben ist nicht genug

Titel: Davor und Danach: Überleben ist nicht genug 

Autor: Nicky Singer

Verlag: Dressler

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten

 

Werbung fürs Lesen. Leseexemplar

Klappentext:

Was zählt, wenn die Welt am Abgrund steht? Verändern Klimawandel und Flucht unsere Menschlichkeit?

Die 14-jährige Mhairi lebt in einer Welt in der es zu viele Menschen gibt und Wasser nur noch im Norden zu finden ist. Sie besitzt zwei Dinge: einen Revolver und ihre Papiere. Ihr einziges Ziel ist es, zu überleben. Dank ihrer Papiere wird es Mhairi bis in den Norden schaffen. Hoffentlich. Doch dann trifft sie kurz vor dem Grenzpunkt einem kleinen Jungen. Ist sie bereit, alles für ihn zu riskieren?

 

Meine Meinung: 

Brutal, gewaltig, bewegend ... das sind die drei Worte, mit denen ich dieses Buch beschrieben würde.

Die Autorin hat es geschafft, mich beim Lesen mitzureißen und zu berühren, ohne die Dinge direkt auszusprechen oder indem sie viel zu direkt angesprochen werden.

Der Schreibstil ist speziell und man merkt, dass hier viel wert auf stilistische Mittel gelegt wird - Wiederholungen, kurze Sätze, längere Sätze und Auflistungen, und dann häufig dieses "... , Papa!", als würde sie die ganze Geschichte ihrem ermordeten Vater erzählen. 

Diesen Schreibstil mag ich normalerweise nicht. Aber hier hat er so treffend gepasst und mich vollkommen in die Geschichte gesogen.

Die Kapitel sind schnell und die Szenen meist kurz, was wohl vor allem daran liegen mag, dass Mhairi so viele Gedanken und Erlebnisse verdrängt.

Sie ist ein zutiefst traumatisiertes Kind und begegnet einem jüngeren Jungen, der ihr nicht mehr von der Seite weicht und ebenfalls zutiefst traumatisiert ist. Mhairi kämpft schon lange um ihr Überleben und ist dem Tod gegenüber abgestumpft, sie hat die wichtigsten Dinge verinnerlicht, mit denen sie sich selbst am Leben erhalten kann ... oft reagiert sie impulsiv und aggressiv, viele ihrer Taten kann man (logischerweise) nicht ganz nachvollziehen. 

Mhairi ist auf der Suche nach einem Zuhause, das möglicherweise keins mehr ist, auf der Rettung von sich selbst, bis nichts mehr übrig ist...

Mir gefällt vor allem, wie die Autorin es schafft, moralische Fragen aufzuwerfen, ohne dabei zu wertend oder belehrend zu sein.

Leide hätte sie mir noch etwas mehr auf das Thema Klimawandel eingehen können, allgemein verhindert Mahiris Erzählperspektive, mehr Informationen zu erhalten. Eine zweite Perspektive hätte so viel Input hinzufügen können!

Dies ist für mich leider keine spannungsreiche Dystopie mit krassem Worldbuilding und versteckten Warnungen zum Klimawandel, obwohl ich das durch den Klappentext so erwartet habe. 

Die Geschichte ist vielleicht zu speziell, um jeden einzusaugen, aber wenn es passiert, dann erfährt der Leser eine Menge über menschlische Abgründe und das hässliche Gesicht des Überlebens.

Das Buch hat mich unzufrieden zurückgelassen, aber ich bin froh, es gelesen zu haben. Deswegen kann ich keine direkte Empfehlung aussprechen.