Ich esse kein Fleisch, aber du kannst tun und lassen was du willst

Nun ist es schon fünf Jahre her, dass ich - einfach mal aus Neugierde - das Fleischessen sein gelassen habe. Und seit vier Jahren futtere ich auch keinen Fisch mehr.

Dass ich diese Entscheidung nicht bereue, ist hiermit wohl klar. ...Dass dies ein Thema ist, über das man mit Fleischessern nicht gerne redet, ist jedem wohl leider ebenso bewusst.

Dennoch habe ich mich entschieden, einfach mal ein paar Gedanken zu dem Thema aufzuschreiben und festzuhalten, was andere vielleicht interessieren könnte. Im besten Fall inspiriere ich euch vielleicht dazu, einmal auszuprobieren, wie es so ohne Fleisch is(s)t  ... aber hoffentlich rege ich hiermit zumindest zum Nachdenken an. 

Es ist nicht meine Absicht, euch den knusprigen Bacon aus den Händen zu reißen, versprochen!

Wo fange ich jetzt am besten an? Damit, jedem der anders isst als ich, ein schlechtes Gewissen einzureden? Denn der liebste Zeitvertreib von uns Vegetariern ist es ja wohl, den bösen bösen Tierleichenschändern ein schlechtes Gewissen einzureden.

Vernichtende Blicke gegenüber genüsslichen Burgeressern, dramatisches Tränenfließen beim Anblick des Hähnchenwagens und deutliche Würgegeräusche falls man es wagen sollte, in unserer Nähe einen Hotdog zu futtern ... dazu belehrende und helfende Tipps Jederzeit! Wir haben es ja wohl voll drauf und werden mit diesem Verhalten die Welt retten!

Ha, als ob!

Ich finde nichts nerviger als Menschen, die sich in das Essen anderer Leute einmischen. 

Vegetarier sind nicht die Eltern aller Fleischesser. Oder deren Ernährungsberater. Allgemein geht es auch niemanden etwas an, was andere Menschen essen und wieso. Trotzdem beschäftigen wir uns damit - aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Und da du bis hier gelesen hast, gehe ich mal davon aus, dass du dem Thema gegenüber nicht allzu abgeneigt bist - deswegen gehe ich nun auf ein paar Punkte ein, die mich beschäftigen.

 

1. Die Anfänge

 Dass ich Vegetarier geworden bin, war ein ziemlicher Zufall und recht spontan. Eine Bekannte hatte mir erzählt, dass sie im Februar Süßigkeiten fastet und auch mehr auf Zucker verzichten will. Daraufhin habe ich überlegt, worauf ich denn mal so einen Monat lang verzichten könnte. Süßigkeiten wegzulassen wäre keine Umstellung gewesen, gegen Zucker an sich habe ich nichts einzuwenden gehabt, also was könnte man denn ... hey, Fleisch! Ich streiche einfach mal Fleisch aus meiner Ernährung und mache damit meiner Mama das tägliche kochen etwas schwerer. Kein leckerer Seranoschinken mehr am Abend, zur Suppe keine Bockwurst mehr und mein geliebtes Hühnerfrikassee werde ich wohl am meisten vermissen.

Als der Monat dann um war, habe ich einfach weitergemacht - denn schwer ist es tatsächlich nicht. Allerdings habe ich für die nächsten zehn Monate noch ab und zu Fisch auf dem Teller gehabt, denn meine Mutter hat mir eingeschärft, dass ich nur da meine wichtigen Omega-Fettsäuren herbekomme und sonst gefühlt an lauter Mangelerscheinungen verrecke (bin ich nicht).

So richtig intensiv  informiert habe ich mich über die ganze Sache nicht, denn wer interessiert sich mit 16 schon für wichtige Nährstoffe? Man hat eben drei Mahlzeiten am Tag und lebt sein Leben ... kein großes Ding. Eine Ernährung kann auch ohne Fleisch ausgewogen sein und in der Regel isst man als Vegetarier mehr Gemüse als ein Fleischesser - was meiner Logik nach eben auch gesünder ist. 

 

2. Die Umwelt

Irgendwie ist es ja unmöglich, als Bewohner dieser Erde noch nicht mitbekommen zu haben, dass unser Planet ein Problem hat. Und dieses Problem wird vor allem durch unseren Konsum ausgelöst. Der jagt die Treibhausgase in die Höhe, der ist für all den Müll verantwortlich, für das Plastik im Meer, für die Rodung der Wälder, für einfach alles. Vor allem die Tierhaltung und Massentierhaltung hat eine große Schuld daran, dass es unserer schönen Erde immer schlechter geht: Die Tiere brauchen Futter, das Angebaut werden muss und Platz, um aufzuwachsen. Jeder kann wohl selbst mal googeln, wie viele Ackerflächen eigentlich prozentual für uns Menschen und wie viel davon für die Tiere genutzt wird. Tiere verbrauche eine Menge Ressourcen.

Wenn man jetzt einfach die Tiere weglässt, kann man diese Ressourcen für die Menschen nutzen und der Planet würde so viel weniger belastet werden.

Je mehr Fakten man zu diesem Thema erfährt, desto erschreckender und alarmierender wird es. 

Ich weiß aus Erfahrung, dass man in solchen Momenten, wenn man mit diesen erschreckenden Fakten konfrontiert wird, meistens denkt: "Aber so viel Fleisch konsumiere ich doch gar nicht. Ich bin nicht schuld, ich kaufe doch wenn, dann nur Bio" Aber das ist einfach nur ein innerer Verteidigungsmechanismus, weil man es sich selbst nicht eingestehen möchte - denn meistens wird täglich beim Bäcker dann doch das Wurstbrot mitgenommen und in der Stadt mal eben beim Burgerladen schnabuliert und die Pizza Salami beim Italiener gönnt man sich ja auch mal gerne.

Die wenigsten sind sich über den eigenen Konsum bewusst.

Wir leben schließlich in einer Zeit und in einem Land, wo wir nicht darauf achten müssen, wie viel wir haben ... weil es nie zu ende geht. Unser Markt versorgt uns mit einem Überangebot, wodurch die Regale im Supermarkt nie leer werden, der Wasserhahn immer frisches Wasser liefert etc. 

Eigentlich ist das gut so. Aber es sorgt auch dafür, dass man das eigene Konsumverhalten aus den Augen verliert - und so schadet man dem Planeten. 

 

3. Die Tierliebe

Tierliebe ist wohl das schwierigste Thema, wenn es um Ernährung geht.

Ich finde, diesen Begriff sollte man in diesem Zusammenhang auch nicht verwenden - besser fände ich Lebensmittelabstraktion. Denn unsere Nahrung ist einfach abstrakt. Nicht nur die Wurstscheiben mit Smileygesicht, sondern auch die ganzen perfekten, genormten Gurken und nach Güteklasse eingeteilten Kartoffeln ... wir haben den Kontakt zum ursprünglichen Essen vom Feld schon längst verloren.

Deswegen finde ich es nicht verwunderlich, dass es so schwierig ist, einen Bezug herzustellen zwischen einem bezaubernden fröhlichen Kälbchen auf der Weide und dem saftigen Burger, nach dem man sich sehnt. 

Was mich allerdings jedes Mal wieder aufs neue verärgert, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der Tiere auf viel zu engem Platz eingesperrt werden, um dann nach plus minus zwei Jahren in dieser Haltung endlich geschlachtet zu werden. Diese Selbstverständlichkeit, mit der Kühe immer wieder künstlich befruchtet werden, damit sie nach der Geburt des Kalbs wieder Milch an die Melkmaschine abgeben können - nachdem Kalb und Mutter getrennt wurden. Diese Selbstverständlichkeit, mit der männliche Küken einfach vernichtet werden, da sie der Eierindustrie nichts bringen. 

Tiere sind fühlende Lebewesen. 

Es ist mir ganz egal, was am Ende für Köstlichkeiten dabei herauskommen, wenn dafür Milliarden von Tieren Tag für Tag leiden müssen, ist es das nicht wert.

Manchmal braucht man abschreckende Dokus, damit die grässlichen Bilder einem die Augen öffnen - manchmal dauert es aber auch viel länger, bis man feststellt, dass etwas wie Massentierhaltung einfach nur falsch ist und durch unseren Konsum nicht weiter unterstützt werden sollte. Ich freue mich über jeden weiteren Menschen, der das begreift.

 

4. Antibiotika

 

Bei der Tierhaltung werden so viele Desinfektionsmittel und Antibiotika verwendet, dass man eigentlich gar nicht mehr von natürlicher Nahrung reden kann. Fische aus einem Meer, in dem so viel Mikroplastik treibt... Klar, es bringt einen nicht um, das zu sich zu nehmen - aber lecker und gesund ist anders. 

 

5. Fazit

In den letzten fünf Jahren habe ich einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge erhalten - aber vor allem habe ich angefangen, meine Ernährung bewusst wahrzunehmen und sie nicht nur als "die drei Mahlzeiten am Tag, damit mein Körper funktioniert" zu sehen, sondern als etwas, mit dem man seinem Körper bewusst etwas Gutes tut. Auch auf mein Konsumverhalten habe ich nun einen anderen Blick und ich behalte im Supermarkt immer im Hinterkopf, was ich mit meinen Entscheidungen unterstütze. 

Ich würde mich freuen, wenn das auch anderen so geht!

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Kommentare: 1
  • #1

    Nenis Welt (Mittwoch, 05 Juni 2019 12:13)

    Liebe Caro,
    ein wirklich inspierender Beitrag. Vielleicht probiere ich nächsten Monat auch einfach mal aus auf Fleisch, auch wenn es mir schwerfallen wird. Gerade auf Brot oder wenn es mal was schnelles zwischendurch sein soll, ist oftmals etwas mit Fleisch drauf.
    Meine Mama lebt immer mal wieder vegan und versucht weitestgehend auf tierische Produkte zu verzichten. Das wäre aber leider überhaupt nichts für mich. :/
    Dein Beitrag hat mir wirklich gut gefallen. :)
    Viele liebe Grüße
    Neni <3