Rezension: Morgen irgendwo am Meer

Titel: Morgen irgendwo am Meer

Autor: Adriana Popescu
Verlag: cbt

Meine Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

 

Werbung fürs Lesen. Leseexemplar.

Klappentext:

Was Romy, Konrad, Nele und Julian auf ihrem gemeinsamen Weg nach Lissabon erwartet, scheint der perfekte Sommerroadtrip nach dem Abitur zu sein. Doch dass jeder von ihnen weit mehr als nur leichte Sommerklamotten im Gepäck hat, wird dem eher durch Zufall zusammengewürfelten Quartett erst im Lauf der Reise klar. Denn in Wahrheit geht es bei diesem Roadtrip um nichts weniger als die Suche nach sich selbst, dem eigenen Leben, der großen Liebe und wahrer Freundschaft.


Meine Meinung: 

Das Cover passt wirklich sehr gut, da die Geschichte auch aus der Sicht von vier Figuren erzählt wird, die sich (zu Beginn) alle nicht (mehr) sehr nahe stehen. Es gibt sogar eine wichtige Szene, die auf so einem Felsen im Meer spielt - Cover also top!

Allerdings habe ich mich durch das Cover und den Klappentext auch auf ein Buch mit viel sommerlicher Atmosphäre gefreut ... Leider kam für mich weder eine schöne, luftig leichte sommerliche Stimmung auf, noch eine Art Spannung. Die Geschichte lässt sich zwar gut lesen, aber nichts hat mich gepackt und mitgerissen. So habe ich über viele Tage immer wieder mal etwas gelesen und das Buch dann wieder weggelegt. Natürlich bildeten sich dabei schnell Theorien in meinem Kopf, aber welche davon sich am Ende bewahrheiten würde, war mir irgendwie auch egal. Wenn man bei einem Buch die Schreibfehler (4 Stück) mitzählen kann, dann packt es einen eben nicht. Außer zwei Stellen mit Tränen in den Augen hat es mich nicht bewegt... irgendwie hat etwas gefehlt, um mich zu überzeugen. Der Sommer hat gefehlt.

Aber worum geht's eigentlich? 

Es gibt vier Protagonisten; vier Perspektiven: 

Konrad, der Emotionen verdrängt, abweisend ist und sehr viel schlechte Laune hat, seine ehemals längste Freundin Rumy immer noch liebt. 

Julian, der mit Rumy zusammen ist und auch ein Jahr nach seinem Abi immer noch keine Idee hat was er im Leben tun soll.

Rumy, die auch noch oft an Konrad denken muss und eigentlich weiß, was sie mal werden will, jedoch von etwas schwer belastet wird, was sie zu überspielen versucht. 

Nele, die gerne fotografiert und eine dieser Personen ist, die immer gute Laune hat. Da die anderen ja eher bedrückte Stimmung verbreiten, war mir Nele zuerst am sympathischsten. Aber da sie so voller positiver Energie steckt, immer weise Ratschläge parat hat und dazu anscheinend auch eher tänzelt als normal geht, ist sie mir doch schnell suspekt geworden.

Natürlich haben alle Charaktere viele Facetten, doch dies war nun mal der erste Eindruck von ihnen und viel hat sich im Laufe der Handlung nicht zu ihnen hinzugefügt - bis auf die Gewissheit, das alle einen ziemlichen Knacks haben. 

Ich lese wirklich gerne Geschichten mit solch einer Problematik, aber wenn mir der Klappentext verspricht, dass dies "die Suche nach sich selbst, dem eigenen Leben, der großen Liebe und wahrer Freundschaft" behandelt, dann darf man ja wohl enttäuscht sein, wenn den Leser stattdessen "Vier Teenager und die Bewältigung ihrer psychischen Probleme und ihrer Trauer und Ehrlichkeit" erwarten.

So erwartet man leider einen tiefgründigeren Abi-fertig-Selbstfindungsroman und bekommt dieses herzzerreißende Beispiel einer Gruppe belasteter Jugendlicher, die alle Probleme haben und Hilfe brauchen.

Davon abgesehen, dass ich etwas anderes erwartet habe, bin ich doch glücklich, dass in einem Jugendroman auch mal psychisch Probleme bei Jungs/Männern angesprochen werden, denn ich habe das Gefühl, dass dieses Thema meist mehr durch weibliche Protagonisten verarbeitet wird. Das gibt also auf jeden Fall einen großen Pluspunkt.

Aber trotz allem hat mich das gesamte Buch nicht überzeugt. Die Charaktere waren alle zusammen einfach so... unharmonisch. Wie gesagt, Konrad, Julian und Rumy haben alle drei zusammen einfach so die Stimmung gedrückt! Da kommt keine Lesefreude auf. Ich fand es auch unlogisch, dass Julian nichts checkt. Auch, dass man über Neles Innenleben erst im letzten Viertel etwas erfährt dauert einfach viel zu lange (zumal sie der einzige positive Charakter und damit starke Sympathieträgerin ist). 

 

Fazit: Gute Ideen, aber für mich nicht stimmig umgesetzt. Trotzdem denke ich, dass die Geschichte vielen gut gefallen wird, man sollte eben nur nicht das falsche erwarten.